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Die tägliche Anwendung

Machen Diabetesmedikamente dick?

· 2 Min.

Eine antike gusseiserne Balkenwaage mit zwei Schalen auf einem Holztisch; die linke Schale leer und oben, die rechte mit zwei Gewichten gesenkt.

Die zuckersenkenden Medikamente lassen auf der Waage nicht dieselbe Spur; manche bewegen sie gar nicht, manche drehen die Richtung um. Der Abstand ist kein Zufall, sondern Folge des Weges im Körper. Dahinter stehen mal der Appetit, mal die Flüssigkeit, mal die Kalorien, die nicht mehr in den Urin entweichen.

Das Gewicht ist der langfristige Saldo der aufgenommenen und der verbrauchten Energie. Ein Medikament langt an diesen Saldo durch drei Türen: die Menge der Glukose, die den Körper verlässt, die Kraft des Appetits und die Lagerneigung der Gewebe. Durch welche Tür es kommt, bestimmt die Richtung; die Weite der Öffnung ist von Körper zu Körper anders.

RichtungWelche FamilienDer Grund
ZunahmeInsulin, Sulfonylharnstoff, GlitazonKalorien, die nicht mehr hinausgehen, zusätzliches Essen gegen den niedrigen Zucker, Fettgewebe und Flüssigkeit
NeutralMetformin, DPP-4-Hemmer, AcarboseSie bewegen die Glukoseausscheidung nicht; das Metformin neigt zu einem leichten Rückgang
AbnahmeGLP-1-Agonist, SGLT-2-HemmerDas Verlöschen des Appetits, die mit dem Urin gehenden Kalorien

Die erste Tür ist kein neuer Gedanke, sondern ein umgedrehtes altes Bild. Es gibt schon einen eigenen Text darüber, dass bei hohem Zucker ein Teil der Kalorien mit dem Urin verloren geht. Der Zusatz hier: Zieht die Behandlung den Zucker hinunter, schließt sich dieses Leck, und dieselbe Mahlzeit bleibt nun im Körper. Ein Teil der Zunahme auf der Waage ist deshalb der Beweis, dass das Medikament seine Arbeit tut. Dass die Waage steigt, während sich die Messung bessert, zählt nicht als Widerspruch.

Die zweite Tür ist der Appetit. Sie ist leise. Das Insulin und die anregenden Medikamente bringen mit dem Senken des Zuckers das Risiko des niedrigen Zuckers mit. Wer das weiß, isst zur Sicherheit mehr. In der Literatur heißt das „defensives Snacken“; keine Schwäche, sondern ein erwartetes Verhaltensmuster.

Die dritte Tür öffnet sich im Gewebe selbst. Dort wird gelagert. Das Insulin ist ein Hormon, das das Lagern stützt; in der Glitazongruppe kommt zur Ausdehnung des Fettgewebes das Halten von Flüssigkeit, und die Waage trennt die zwei nicht. Ein Teil der Bewegung der frühen Wochen ist deshalb nicht Fett, sondern Wasser. Die Flüssigkeit kommt schnell und geht schnell; das Fett sammelt sich langsam.

Die zwei Familien der Gegenrichtung arbeiten auf anderen Wegen. Bei den SGLT-2-Hemmern ist die Tür wieder der Urin; die Kalorien gehen dort hinaus. Die Rechnung auf dem Papier verspricht einen großen Verlust, der wirkliche Rückgang ist maßvoller, denn der Körper gleicht das Defizit ein Stück aus. Die GLP-1-Agonisten arbeiten über Appetit und Magenentleerung; das Sättigungsgefühl zieht sich.

Beim Lesen dieses Bildes ist eine Trennung festzuhalten: Das Medikament ist nicht die einzige Eingabe. Ein bewegter Tag und ein großteils im Sitzen verbrachter schreiben sich nicht auf denselben Saldo. Und in welches Loch der Gürtel kommt, sagt manchmal mehr als die Badezimmerwaage. Die Gewichtsrichtung entscheidet in der Medikamentenwahl nicht allein; auch die Lage von Niere und Herz sitzt am selben Tisch.

Quellen

  1. Janež A, Fioretto P. SGLT2 Inhibitors and the Clinical Implications of Associated Weight Loss in Type 2 Diabetes: A Narrative Review. Diabetes Therapy. 2021;12(8):2249-2261.
  2. Russell-Jones D, Khan R. Insulin-associated weight gain in diabetes - causes, effects and coping strategies. Diabetes, Obesity and Metabolism. 2007;9(6):799-812.
  3. Davies MJ, Aroda VR, Collins BS, Gabbay RA, Green J, Maruthur NM, Rosas SE, Del Prato S, Mathieu C, Mingrone G, Rossing P, Tankova T, Tsapas A, Buse JB. Management of Hyperglycemia in Type 2 Diabetes, 2022. A Consensus Report by the American Diabetes Association (ADA) and the European Association for the Study of Diabetes (EASD). Diabetes Care. 2022;45(11):2753-2786.
  4. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 9. Pharmacologic Approaches to Glycemic Treatment: Standards of Care in Diabetes—2026. Diabetes Care. 2026;49(Suppl 1):S183–S215. doi:10.2337/dc26-S009
  5. Klinik Endokrinoloji ve Diyabet Derneği (KEDD). Tip 2 Diyabet Farmakolojik Tedavi Kılavuzu. Yenilenmiş 2. Baskı. KEDD; 2023. ISBN 978-605-74516-0-6

Dieser Text dient nur der Information; er ist weder eine Diagnose noch eine Behandlung noch eine Dosierungsempfehlung. Entscheidungen über deine Behandlung triffst du immer gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

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