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Die Laborwerte

Was heißt nüchtern vor der Blutabnahme?

· 2 Min.

Ein Glas klares Wasser im Morgenlicht auf der Küchenarbeitsplatte, eine geschlossene Kaffeetasse und ein leerer Teller.

Nüchtern heißt bei der Blutabnahme nicht, nichts zu essen, sondern keine Kalorie aufzunehmen; klares Wasser ist frei. Der Zucker im Tee, ein süßer Kaugummi und der nachts geöffnete Kühlschrank ändern das Bild. Das Nüchternsein über das Maß zu ziehen macht das Ergebnis nicht richtiger.

In der Sprache des Labors zielt nüchtern nicht auf den Magen. Es hält das Blut schlicht. Nach dem Essen trägt das Blut eine Zeit lang alles, was aus dieser Mahlzeit aufgenommen wurde. Eine Probe aus diesem Moment erzählt nicht den Grundzustand der Person, sondern ihre letzte Mahlzeit. Die Nüchternregel ist ein gemeinsamer Rahmen, der genau dieses Rauschen kappt und das Grundbild darunter sichtbar macht. Das Ziel ist, alle vom selben Startpunkt aus zu messen.

Klares Wasser trägt keine Kalorie und ist deshalb frei. Milch, Zucker und Honig im Tee heißen dagegen Kalorie. Auch ein süßer Kaugummi, der sich langsam im Mund löst, führt zur selben Tür, so winzig er ist. Schwarzer Kaffee hat keine Kalorien. Koffein bringt den Körper trotzdem kurz in Gang. Deshalb findet auch der Morgenkaffee seinen Platz auf der Liste vor der Blutabnahme. Die Zigarette und der Alkohol vom Vortag sind Zeilen derselben Liste.

Dass Wasser frei ist, wirkt wie eine Kleinigkeit, ist aber wichtig. Bei jemandem, der seit dem Morgen kein Wasser in den Mund genommen hat, dickt das Blut ein. Viele Werte, die im eingedickten Blut gemessen werden, sehen etwas höher aus, als sie sind. Auch eine Ader zu finden kann schwerer werden; die Nadel sticht ein weiteres Mal. Durst gehört nicht zum Nüchternsein.

Der größte Teil der Verwirrung entsteht daraus, nicht zu wissen, wo die Nüchternzeit beginnt. Sie beginnt nicht mit dem Zubettgehen, sondern mit der letzten Kalorie im Mund; der Schlaf zählt in dieser Rechnung mit, die wachen Stunden auch. Eine Scheibe Brot, um Mitternacht im Stehen in der Küche gegessen, zieht das Bild des nächsten Morgens unbemerkt zurück.

FallAus Sicht der Nüchternregel
Klares WasserTrägt keine Kalorie, ist frei
Tee mit Milch oder ZuckerKalorie kommt herein, das Nüchternsein bricht
Schwarzer KaffeeKeine Kalorie; wegen des Koffeins bleibt er trotzdem draußen
Süßer KaugummiDer im Mund gelöste Zucker zählt als Kalorie
ZigaretteKeine Kalorie, ändert aber die Antwort des Körpers
Nächtlicher SnackDie Zeit beginnt mit der letzten Kalorie neu

Es gibt auch das andere Ende der Waage. Zieht sich das Nüchternsein, wendet sich der Körper seinem eigenen Lager zu. Dabei verrutschen einige Laborwerte leicht; der Zucker treibt nach unten. Die Verschiebung ist klein. Sie stellt das Bild nicht auf den Kopf. Aber langes Fasten macht das Ergebnis auch nicht richtiger. Die übliche Dauer ist kein Maß der Ausdauer, sondern eine Grenze, die alle unter derselben Bedingung zusammenbringt.

Nüchtern zu sein ist keine Willensprobe, sondern ein Werkzeug des Vergleichs. Zwei Ergebnisse derselben Person im Abstand von Monaten tragen nur unter ähnlichen Bedingungen eine Bedeutung. Dass ein im Geldbeutel vergessenes Bonbon oder ein unterwegs getrunkener Fruchtsaft das Bild stört, kommt daher. Eine Kleinigkeit macht einen ganzen Morgen zunichte.

Quellen

  1. Šimundić AM, Cornes M, Grankvist K, Lippi G, Nybo M. Standardization of collection requirements for fasting samples: for the Working Group on Preanalytical Phase (WG-PA) of the European Federation of Clinical Chemistry and Laboratory Medicine (EFLM). Clin Chim Acta. 2014;432:33–37. doi:10.1016/j.cca.2013.11.008. PMID: 24269503.
  2. Moebus S, Göres L, Lösch C, Jöckel KH. Impact of time since last caloric intake on blood glucose levels. Eur J Epidemiol. 2011;26(9):719–728. doi:10.1007/s10654-011-9608-z. PMID: 21822717.
  3. Šupak-Smolčić V, Antončić D, Ožanić D, Vladilo I, Bilić-Zulle L. Influence of a prolonged fasting and mild activity on routine laboratory tests. Clin Biochem. 2015;48(1-2):85–88. doi:10.1016/j.clinbiochem.2014.10.005. PMID: 25445731.
  4. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 2. Diagnosis and Classification of Diabetes: Standards of Care in Diabetes—2026. Diabetes Care. 2026;49(Suppl 1):S27–S49. doi:10.2337/dc26-S002

Dieser Text dient nur der Information; er ist weder eine Diagnose noch eine Behandlung noch eine Dosierungsempfehlung. Entscheidungen über deine Behandlung triffst du immer gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

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