Was heißt nüchtern vor der Blutabnahme?
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Nüchtern heißt bei der Blutabnahme nicht, nichts zu essen, sondern keine Kalorie aufzunehmen; klares Wasser ist frei. Der Zucker im Tee, ein süßer Kaugummi und der nachts geöffnete Kühlschrank ändern das Bild. Das Nüchternsein über das Maß zu ziehen macht das Ergebnis nicht richtiger.
In der Sprache des Labors zielt nüchtern nicht auf den Magen. Es hält das Blut schlicht. Nach dem Essen trägt das Blut eine Zeit lang alles, was aus dieser Mahlzeit aufgenommen wurde. Eine Probe aus diesem Moment erzählt nicht den Grundzustand der Person, sondern ihre letzte Mahlzeit. Die Nüchternregel ist ein gemeinsamer Rahmen, der genau dieses Rauschen kappt und das Grundbild darunter sichtbar macht. Das Ziel ist, alle vom selben Startpunkt aus zu messen.
Klares Wasser trägt keine Kalorie und ist deshalb frei. Milch, Zucker und Honig im Tee heißen dagegen Kalorie. Auch ein süßer Kaugummi, der sich langsam im Mund löst, führt zur selben Tür, so winzig er ist. Schwarzer Kaffee hat keine Kalorien. Koffein bringt den Körper trotzdem kurz in Gang. Deshalb findet auch der Morgenkaffee seinen Platz auf der Liste vor der Blutabnahme. Die Zigarette und der Alkohol vom Vortag sind Zeilen derselben Liste.
Dass Wasser frei ist, wirkt wie eine Kleinigkeit, ist aber wichtig. Bei jemandem, der seit dem Morgen kein Wasser in den Mund genommen hat, dickt das Blut ein. Viele Werte, die im eingedickten Blut gemessen werden, sehen etwas höher aus, als sie sind. Auch eine Ader zu finden kann schwerer werden; die Nadel sticht ein weiteres Mal. Durst gehört nicht zum Nüchternsein.
Der größte Teil der Verwirrung entsteht daraus, nicht zu wissen, wo die Nüchternzeit beginnt. Sie beginnt nicht mit dem Zubettgehen, sondern mit der letzten Kalorie im Mund; der Schlaf zählt in dieser Rechnung mit, die wachen Stunden auch. Eine Scheibe Brot, um Mitternacht im Stehen in der Küche gegessen, zieht das Bild des nächsten Morgens unbemerkt zurück.
| Fall | Aus Sicht der Nüchternregel |
|---|---|
| Klares Wasser | Trägt keine Kalorie, ist frei |
| Tee mit Milch oder Zucker | Kalorie kommt herein, das Nüchternsein bricht |
| Schwarzer Kaffee | Keine Kalorie; wegen des Koffeins bleibt er trotzdem draußen |
| Süßer Kaugummi | Der im Mund gelöste Zucker zählt als Kalorie |
| Zigarette | Keine Kalorie, ändert aber die Antwort des Körpers |
| Nächtlicher Snack | Die Zeit beginnt mit der letzten Kalorie neu |
Es gibt auch das andere Ende der Waage. Zieht sich das Nüchternsein, wendet sich der Körper seinem eigenen Lager zu. Dabei verrutschen einige Laborwerte leicht; der Zucker treibt nach unten. Die Verschiebung ist klein. Sie stellt das Bild nicht auf den Kopf. Aber langes Fasten macht das Ergebnis auch nicht richtiger. Die übliche Dauer ist kein Maß der Ausdauer, sondern eine Grenze, die alle unter derselben Bedingung zusammenbringt.
Nüchtern zu sein ist keine Willensprobe, sondern ein Werkzeug des Vergleichs. Zwei Ergebnisse derselben Person im Abstand von Monaten tragen nur unter ähnlichen Bedingungen eine Bedeutung. Dass ein im Geldbeutel vergessenes Bonbon oder ein unterwegs getrunkener Fruchtsaft das Bild stört, kommt daher. Eine Kleinigkeit macht einen ganzen Morgen zunichte.
Quellen
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- Šupak-Smolčić V, Antončić D, Ožanić D, Vladilo I, Bilić-Zulle L. Influence of a prolonged fasting and mild activity on routine laboratory tests. Clin Biochem. 2015;48(1-2):85–88. doi:10.1016/j.clinbiochem.2014.10.005. PMID: 25445731.
- American Diabetes Association Professional Practice Committee. 2. Diagnosis and Classification of Diabetes: Standards of Care in Diabetes—2026. Diabetes Care. 2026;49(Suppl 1):S27–S49. doi:10.2337/dc26-S002