Warum ist der Morgenzucker hartnäckiger?
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Dass die Zahl am Morgen aus dem nächtlichen Gleichgewicht zwischen Leber und Basalinsulin kommt, ist bekannt. Beim Dawn-Phänomen legen sich gegen Morgen einige Hormone auf eine Seite dieser Waage: Der Wert steigt, während die Person schläft und nichts isst. Die Quelle ist nicht das Essen, sondern die Uhr.
Die Nacht über steht der Körper nicht still. Er arbeitet. Gegen Morgen wächst die Abgabe von Wachstumshormon, Kortisol und adrenalinähnlichen Hormonen; alle tragen der Leber dieselbe Nachricht und ziehen die nächtliche Glukoseabgabe nach oben. Bei jemandem ohne Diabetes bleibt dieser Ausschlag nicht ohne Antwort, das Gleichgewicht bricht nicht. Bei Diabetes kommt die Antwort spät oder reicht nicht. Ein eigener Text erzählt diese Lagerarbeit der Leber im Einzelnen; das Thema hier ist die Uhr selbst.
Das Ergebnis ist diese hartnäckige Höhe beim Aufwachen; in der Literatur läuft sie unter dem Namen Dawn-Phänomen. Mehr als dreißig Jahre Forschung zeigten dieses Bild bei Typ 1 wie bei Typ 2. Die Messung klettert nicht in der Mitte der Nacht, sondern in den Stunden kurz vor dem Aufwachen. Es ist etwas, das geschieht, während die Person schläft und nichts isst. In einer Arbeit mit über zweihundert Menschen fiel das Bild unabhängig von der verwendeten Medikamentengruppe ähnlich aus.
Die zweite Sache ist die Zeit. Sie ändert den Start. Die Morgenmahlzeit legt sich auf eine Kurve, die ohnehin klettert; der Ausgangspunkt ist ein anderer als am Abend. Diese Hormone feilen außerdem an der Wirkung des Insulins, dieselbe Menge Hormon tut weniger Arbeit. Das Kohlenhydrat auf dem Morgenteller wiederholt die Abendkurve deshalb nicht eins zu eins. Der Abstand ist bei manchen deutlich, bei manchen fast nicht da. In den Jahren der Pubertät wird das Wachstumshormon reichlicher abgegeben, und dasselbe Bild wird deutlicher; das Maß dort ist nicht die Nacht, sondern das Jahr.
Hier tritt auch eine alte Debatte ein. Sie ist bekannt. Nach der Ansicht mit dem Namen Somogyi-Effekt endet ein niedriger Wert in der Nacht mit einem reaktiven Anstieg gegen Morgen. Die späteren Arbeiten bestätigten diese Kette meistens nicht; das Dawn-Phänomen zeigt sich auch ohne nächtlichen Abfall. Die fortlaufende Glukosemessung trennt die zwei, denn sie zeigt die ganze Kurve der Nacht.
| Die Kurve der Nacht | Das Bild am Morgen | Der Name |
|---|---|---|
| Läuft flach, klettert gegen Morgen | Beim Aufwachen hoch | Dawn-Phänomen |
| Sinkt in der Nacht, steigt dann | Beim Aufwachen hoch | Die Debatte um den reaktiven Anstieg |
| Beginnt beim Zubettgehen hoch und bleibt so | Beim Aufwachen hoch | Die Last vom Abend |
Auch wenn das Bild beim Aufwachen dasselbe ist, kann die Geschichte dahinter aus drei Wegen kommen. Was trennt, ist nicht die einzelne Zahl im Moment des Aufwachens, sondern die ganze Nacht. Eine einzelne Messung gleich nach dem Aufstehen bleibt deshalb meistens unvollständig. Selbst dieselbe Stunde kann sich bei derselben Person von Tag zu Tag anders verhalten. Auch Schlafordnung, der Spaziergang der Abendstunden und die Wirkdauer des Medikaments mischen sich ins Bild. Verlaufen die Werte über Tage hartnäckig, frag deinen Arzt.
Quellen
- O’Neal TB, Luther EE. Dawn Phenomenon. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2026; NCBI Bookshelf NBK430893.
- Porcellati F, Lucidi P, Bolli GB, Fanelli CG. Thirty years of research on the dawn phenomenon: lessons to optimize blood glucose control in diabetes. Diabetes Care. 2013;36(12):3860-3862.
- Monnier L, Colette C, Dejager S, Owens D. Magnitude of the dawn phenomenon and its impact on the overall glucose exposure in type 2 diabetes: is this of concern? Diabetes Care. 2013;36(12):4057-4062.
- American Diabetes Association Professional Practice Committee. 6. Glycemic Goals, Hypoglycemia, and Hyperglycemic Crises: Standards of Care in Diabetes—2026. Diabetes Care. 2026;49(Suppl 1):S132-S149.