Warum gibt es Insulin nicht als Tablette?
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Insulin ist ein Eiweiß, und die Verdauung ist genau das Getriebe, das arbeitet, um Eiweiße zu zerlegen. Ein Insulin, das über den Mund geht, trifft vor dem Blut auf die Magensäure und die Darmenzyme. Und für den unzerlegten kleinen Rest ist die Darmwand eine zu dichte Sperre.
Eine Tablette geht nach einem Glas Wasser zuerst in den Magen hinunter. Der Magen ist eine Umgebung, die arbeitet, um Eiweiße zu zerlegen, und die Säure öffnet die gefaltete Form der Eiweißketten. Die Arbeit des Insulins hängt genau an dieser gefalteten Form. Bricht die Form, steht das Molekül noch da, öffnet aber keine Tür mehr.
Die Enzyme schlagen den zweiten Schlag, denn im Magen zerteilen das Pepsin, im Dünndarm Trypsin und Chymotrypsin die Kette in Stücke. Diese Enzyme trennen das Eiweiß auf dem Teller nicht vom Eiweiß des Medikaments. Das Insulin ist für sie gewöhnliche Nahrung.
Die dritte Sperre ist die Größe. Die dichten Verbindungen zwischen den Zellen der Darmwand geben nur sehr kleinen Molekülen den Weg frei, das Insulin ist dafür zu groß. Dazu kommt die Schleimschicht. Die vierte ist die Leber: Alles, was durch den Darm geht, kehrt zuerst dort ein, und die Leber hält den großen Teil des ankommenden Insulins, bevor er in den Umlauf kommt.
- Die Magensäure öffnet die gefaltete Form des Moleküls
- Die Verdauungsenzyme zerteilen die Kette in Stücke
- Die Schleimschicht und die Darmwand geben dem großen Molekül keinen Weg
- Die Leber hält den großen Teil des ankommenden Anteils, bevor er in den Umlauf kommt
Aus den vier Sperren zusammen entsteht ein eindrückliches Bild: Der Anteil eines ungeschützten Insulins, der das Blut erreicht, bleibt unter einem Prozent. Und die für eine bedeutsame Wirkung nötige Stoffmenge wächst deshalb ins Untragbare.
Dass die Leber diesen Anteil hält, ist eigentlich ein doppeltes Ereignis. Auch das eigene Insulin des Körpers kehrt nach der Bauchspeicheldrüse zuerst bei der Leber ein, und die Dichte dort bleibt höher als im Rest des Umlaufs. Der Reiz eines Insulins über den Mund liegt zum Teil in seiner Nähe zu dieser natürlichen Reihenfolge. Was die Sperre ist, ist zugleich der Preis.
Das Insulin geht deshalb Wege, die die Verdauung überspringen, und die Unterhaut ist der verbreitetste. Auch die in die Lunge gezogene feine Pulverform gibt es, sie hält ihren Platz als schnelle Wahl zu den Mahlzeiten. Für Menschen mit dauerhafter Lungenkrankheit und für Rauchende passt sie nicht.
Die Suche nach dem Insulin über den Mund läuft seit über einem Jahrhundert. Die heutigen Versuche stützen sich darauf, die Kapsel vor dem Magen zu schützen, die Enzyme vorübergehend zu bremsen und die Darmwand für eine Weile durchlässiger zu machen. Ein Kandidat erfüllte die Erwartung in der dritten Phase nicht. Ein anderer zeigte Wirkung, verlangte aber das Zigfache der Menge aus der Nadel und trug sich deshalb nicht.
Die Schwierigkeit ist nicht nur die Aufnahme. Ein Insulin über den Mund muss den Hintergrundbedarf wie den Anstieg der Mahlzeit decken, sich vom Essen wenig berühren lassen und lange Jahre sicher bleiben. Für das Schlucken einer Tablette reicht ein Glas Wasser. Genau diese Leichtigkeit erklärt, warum die Suche nicht endet.
Quellen
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- American Diabetes Association Professional Practice Committee. 9. Pharmacologic Approaches to Glycemic Treatment: Standards of Care in Diabetes—2026. Diabetes Care. 2026;49(Suppl 1):S183–S215. doi:10.2337/dc26-S009