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Anzeichen und Diagnose

Kann eine gestellte Diabetesdiagnose sich ändern?

· 2 Min.

Die Seitenfläche eines schlichten Kartons; ein altes Etikett wurde abgelöst und ein neues darübergeklebt, der zurückgebliebene Kleberand zeigt sich im Seitenlicht.

Der Name, der mit der Diagnose vergeben wird, gilt als so sicher wie die Krankheit selbst. Dabei ist die Trennung von Typ 1 und Typ 2 beim Erwachsenen in den ersten Monaten am zerbrechlichsten; die Aufzeichnungen zeigen, wie oft sie berichtigt wird. Die Krankheit bleibt, der Name wird neu geschrieben.

Der aufs Blatt geschriebene Name bleibt wie ein Abschluss in Erinnerung. Die Akte öffnet sich, und dieser Name gilt fortan als fest. Die Aufzeichnungen sagen etwas anderes. Die beim Erwachsenen gestellte Einteilung wird in den ersten Jahren nach der Diagnose neu gelesen. Was das Lesen erschwert, gilt nicht als Unachtsamkeit. Mit dem Alter wird das auf Widerstand beruhende Bild so häufig, dass das Seltene darin verloren geht.

Typ-1-Diabetes, der im Erwachsenenalter beginnt, galt lange als seltene Ausnahme. Eine breite Registerdurchsicht prüfte dieses Muster: Grob zwei Fünftel des Typ-1-Diabetes, der in den ersten sechzig Lebensjahren auftrat, hatten die Diagnose nach dem dreißigsten Jahr bekommen. Die zweite Hälfte derselben Durchsicht bringt das Bild ins Gleichgewicht. Unter allen nach dem dreißigsten Jahr gestellten Diabetesdiagnosen bleibt der Anteil dieser Gruppe klein. Der spät beginnende Typ 1 ist wirklich und selten zugleich; beide Sätze stimmen zusammen. Dieselbe Durchsicht maß auch das eigene Bild dieser Gruppe. Gegenüber dem auf Widerstand beruhenden Bild sind ein niedrigeres Körpergewicht, der Übergang zum Insulin im ersten Jahr der Diagnose und die Eröffnung mit einer Ketoazidose deutlich häufiger verzeichnet.

Die zweite Arbeit sieht dasselbe Etikett gleich nach der Diagnose an; auf dieser Stufe ist die Einteilung noch mit dem klinischen Eindruck gestellt. In dieser Beobachtung mit neu diagnostizierten Erwachsenen fand sich bei einem Viertel der klinisch Typ 1 genannten Menschen keiner der Inselantikörper. Der genetische Risikowert dieser Gruppe und der jährliche Lauf der verbliebenen Insulinbildung lagen näher an einem nicht immunbedingten Bild. In den zwei Jahren, nachdem die Ergebnisse den Behandelnden gemeldet waren, wurde bei mehr als einem Drittel derselben Gruppe das Behandlungsschema neu gebaut.

Das getragene EtikettDie in den Aufzeichnungen sichtbare Berichtigung
Typ 1 beim ErwachsenenEs gibt einen deutlichen Teil, der keinen der Inselantikörper trägt
Typ 2 beim ErwachsenenDas Autoimmunbild öffnet sich auch nach dem dreißigsten Jahr
Typ 1 oder Typ 2Die Formen aus einem einzigen Gen laufen weitgehend unter diesen zwei Namen

Die dritte Zeile gehört den Formen aus einem einzigen Gen. Ihre Diagnose wird erst mit dem Gentest sicher. Legt man ein Gentestregister neben die erwartete Häufigkeit, sagt die Rechnung dies: Mehr als vier Fünftel dieser Formen bleiben ohne diese Bestätigung. Den richtigen Namen zu setzen formt hier auch die Ordnung der Behandlung; die Trennung bleibt also nicht auf dem Papier.

Dass aus dem auf Widerstand beruhenden Diabetes ein immunbedingter wird, gibt es nicht; die zwei Verläufe gehen getrennt. Was sich berichtigt, ist nicht die Krankheit, sondern der ihr am ersten Tag gegebene Name. Die Einteilung beginnt mit einer Schätzung und wird enger, je mehr Beleg sich sammelt.

Diese Trennung hat zwei Maße. Die Inselantikörper suchen die Spur des Immunangriffs. Das C-Peptid zeigt, was von der eigenen Bildung der Bauchspeicheldrüse geblieben ist.

Die Einteilung ist deshalb eine offen bleibende Zeile. Die verbliebene Bildung nimmt nicht bei allen im selben Tempo ab, und das Tempo dieses Abfalls ist eines der Maße, die die Einteilung neu lesen lassen. Der Name in der Akte erneuert sich mit diesem Lesen.

Quellen

  1. Thomas NJ, Jones SE, Weedon MN, Shields BM, Oram RA, Hattersley AT. Frequency and phenotype of type 1 diabetes in the first six decades of life: a cross-sectional, genetically stratified survival analysis from UK Biobank. Lancet Diabetes Endocrinol. 2018;6(2):122-129. doi:10.1016/S2213-8587(17)30362-5
  2. Eason RJ, Thomas NJ, Hill AV, Knight BA, Carr A, Hattersley AT, McDonald TJ, Shields BM, Jones AG. Routine Islet Autoantibody Testing in Clinically Diagnosed Adult-Onset Type 1 Diabetes Can Help Identify Misclassification and the Possibility of Successful Insulin Cessation. Diabetes Care. 2022;45(12):2844-2851. doi:10.2337/dc22-0623
  3. Shields BM, Hicks S, Shepherd MH, Colclough K, Hattersley AT, Ellard S. Maturity-onset diabetes of the young (MODY): how many cases are we missing? Diabetologia. 2010;53(12):2504-2508. doi:10.1007/s00125-010-1799-4
  4. Türkiye Endokrinoloji ve Metabolizma Derneği (TEMD). Diabetes Mellitus ve Komplikasyonlarının Tanı, Tedavi ve İzlem Kılavuzu-2026. 17. Baskı. TEMD; 2026. ISBN 978-625-99759-8-6

Dieser Text dient nur der Information; er ist weder eine Diagnose noch eine Behandlung noch eine Dosierungsempfehlung. Entscheidungen über deine Behandlung triffst du immer gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

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