Warum fällt der Blutzucker?
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Der Blutzucker fällt nie von allein, sondern aus einem Missverhältnis zwischen der ankommenden Glukose und der Wirkung, die sie in die Zelle trägt. Mal ist es eine ausgelassene Mahlzeit, mal ein ungewohnt bewegter Tag, mal die Niere, die das Medikament nicht mehr wie früher räumt.
Fast alle Abfälle bei Diabetes kommen aus der Behandlung selbst. Im Körper steht eine Waage. Auf ihr liegen zwei Seiten: auf der einen Seite die Wirkung, die den Blutzucker senkt, auf der anderen die Quellen, die ihn oben halten. Die senkende Seite sind das Insulin und die Medikamente, die die Bauchspeicheldrüse anregen; Sulfonylharnstoff und Glinid gehören in diese Gruppe. Die haltende Seite sind das gegessene Essen, das Lager der Leber und die Hormone, die eintreten, sobald sie den Abfall bemerken. Der Abfall ist das unerwartete Kippen der Waage. Mehr nicht. Bei einem lang wirkenden Medikament kann dieses Kippen nicht auf die Stunde der Einnahme fallen, sondern auf die Stunden danach.
Kippt die Waage, zeigt der Körper das, und mit welchen Zeichen er es zeigt, ist das Thema eines eigenen Textes; „Wie erkennt man eine Unterzuckerung?“ erzählt das von Anfang bis Ende. Die Frage hier ist nicht das Zeichen, sondern warum die Waage kippt. Die Gründe zu kennen macht es leichter, beim Erscheinen des Zeichens auf den Tag zurückzuschauen.
Am häufigsten stört die Mahlzeit die Waage. Das geht schnell. Verspätet sich das Essen oder fällt es ganz aus, kommt die Last nicht, die das Medikament erwartet, und die senkende Wirkung arbeitet ohne Gegenstück. Auch die Bewegung drückt auf das andere Ende derselben Waage. Ein ungewohnter Tag (die über die Treppe getragenen Einkaufstüten, eine sich ziehende Gartenarbeit) steigert den Glukosezug der Muskeln. Diese Wirkung erlischt nicht mit dem Ende der Bewegung; sie kann Stunden anhalten, während die Muskeln ihr Lager auffüllen und die Insulinempfindlichkeit hoch bleibt.
| Grund | Wie er das Gleichgewicht stört |
|---|---|
| Insulin oder das anregende Medikament passt nicht zur ankommenden Last | Die senkende Wirkung arbeitet weiter ohne Gegenstück |
| Die Mahlzeit verspätet sich oder fällt aus | Die erwartete Glukose kommt nicht, die Waage kippt zu einer Seite |
| Ungeplante oder sich ziehende Bewegung | Die Muskeln ziehen die Glukose schneller, die Wirkung hält auch nach der Bewegung |
| Alkohol | Seine Wirkung zeigt sich nicht beim Trinken, sondern danach; den Grund öffnet der Alkoholtext |
| Gestörte Arbeit der Niere | Insulin und Medikament werden langsamer geräumt, ihre Wirkungen ziehen sich |
| Gewichtsverlust und ein besser werdender Verlauf | Der Bedarf sinkt, während die alte Ordnung bleibt, wie sie ist |
Die Seite der Niere ist weniger bekannt, ihr Gewicht aber groß. Das Räumen des Insulins aus dem Blut übernimmt zum großen Teil die Niere; sinkt die Filtrationsrate, bleibt dieselbe Menge länger im Körper. Für die über die Niere ausgeschiedenen Medikamente gilt dasselbe. Dazu kommen der Rückgang der eigenen Glukosebildung der Niere und die dünner werdenden Vorräte, wenn der Appetit nachlässt. Im höheren Alter legen sich diese Umstände häufiger übereinander. Die Person spürt diese Veränderung nicht; die Filtrationskraft der Niere zeigen Blut- und Urintest, und ändert sich der Lauf im Test, ändert sich auch das Abfallrisiko.
Abzunehmen oder ein besser werdender Verlauf ist ein stiller Grund; antwortet der Körper stärker auf dasselbe Insulin, während die alte Ordnung weiterläuft, verrutscht die Waage. Dieses Rutschen kann Wochen unbemerkt anhalten. Es gibt kein neues Ereignis, was sich ändert, ist der Bedarf selbst.
Das Gemeinsame dieser Gründe ist, dass die meisten allein nicht reichen. Der Abfall entsteht, wenn einige Umstände auf denselben Tag fallen: eine verspätete Mahlzeit und ein langer Spaziergang, oder ein anstrengender Tag und ein Glas am Abend. Deshalb lohnt es, den Tag des Abfalls rückwärts zu lesen. Liegen die Uhrzeit der Mahlzeit, die Dauer der Bewegung und der Moment des Medikaments nebeneinander, wird der Grund sichtbar. Diese Aufzeichnung ist auch für das Diabetesteam, das auf die Ordnung schaut, das greifbarste Material.
Quellen
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