Was tut man bei einer Unterzuckerung?
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Fällt der Zucker, laufen zwei Arbeiten nacheinander: den Abfall schnell umkehren, dann mit der Messung sehen, dass er wirklich umgekehrt ist. Schnell aufgenommenes Kohlenhydrat tut das; eine fette Süßigkeit wie Schokolade tut es nicht, denn Fett verzögert die Aufnahme.
Was den Abfall umkehrt, ist das Tempo. Je schneller das Kohlenhydrat aus dem Magen ins Blut geht, desto kürzer der Abschnitt, in dem das Gehirn ohne Brennstoff bleibt. Die erste Wahl der Leitlinien ist reine Glukose, denn sie hat keinen Begleiter, der die Aufnahme verzögert; auch andere Kohlenhydrate, die Glukose tragen, heben den Zucker. Eine Übersicht fand, dass die Anzeichen bei denen mit reiner Glukose häufiger vergingen als bei denen mit Fruchtsaft oder Bonbons.
Die langsame Wahl tut hier ihren Dienst nicht. Schokolade, Waffel und Eis tragen viel Zucker, aber das Fett verzögert die Magenentleerung; die Betreuungsstandards der ADA schreiben, dass zugesetztes Fett die glykämische Antwort verlangsamt und zieht. Auch etwas Eiweißlastiges passt nicht, denn es stößt die Insulinabgabe selbst an. Gesucht ist kein langsamer Anstieg, sondern eine schnelle Rückkehr.
Der Ansatz, den die Leitlinien die 15-15-Regel nennen, legt diese Arbeiten in eine feste Reihenfolge. Die Zahlen im Namen erzählen die Gramm des Kohlenhydrats und die Wartezeit, nicht den Blutzuckerwert. Die Reihenfolge der Quellen geht so:
- Ein schnell aufgenommenes Kohlenhydrat; die erste Zahl im Namen der Regel gibt seine Gramm.
- Danach ein kurzes Warten; die andere Zahl gibt die Minuten dieser Zeit.
- Am Ende der Zeit eine neue Messung: Kam die Rückkehr wirklich?
- Kam sie nicht, sprechen die Quellen von der Wiederholung desselben Schrittes, und wenn keine Besserung kommt, von medizinischer Hilfe.
Dass die Anzeichen nachlassen, ist für sich kein Beweis, denn Anzeichen und Messung bessern sich nicht im selben Moment. Mit welchen Zeichen sich der Abfall zeigt und warum sie bei manchen gar nicht erscheinen, behandelt der Text „Wie erkennt man eine Unterzuckerung?“. Auch die zweite Hälfte der Regel verlangt diesen Schritt: Die Wartezeit gibt den Abschnitt, in dem die Messung aussagekräftig wird. Die Messung ist deshalb ein eigener Schritt, getrennt vom Anzeichen.
Es gibt noch eine Gefahr: Wirkt das Insulin oder ein anregendes Medikament noch, kann sich der Abfall wiederholen. Sein Zeichen ist, dass nach der Besserung dieselben Anzeichen zurückkommen; dieser zweite Abfall muss nicht in Minuten kommen, er kann Stunden später erscheinen, solange die Wirkung des Medikaments hält. Bei lang wirkenden Insulinen und Sulfonylharnstoff ist der Abschnitt noch weiter. Die Leitlinien sprechen deshalb vom Essen nach der Erholung.
Der Preis der Überkorrektur ist ein eigener. Die Eile führt zu einem Sturm, der den Küchenschrank leert; der Zucker steigt weit über das Ziel, dann kommt die Korrektur, dann ein neuer Abfall; der Tag wird zu einer Schaukel. Mit einer bemessenen Menge das Verstreichen der Minuten abzuwarten kürzt diese Schaukel.
Es gibt eine Grenze: Kann die Person nicht schlucken, tut nichts, was in den Mund gegeben wird, seinen Dienst. Sich nicht wecken lassen, auf Fragen nicht antworten und das in den Mund Gelegte nicht schlucken sind die Zeichen dieser Grenze. Was danach kommt, ist das Thema eines eigenen Weges; ihn wendet nicht die Person selbst an, sondern jemand daneben, und sein Name ist Glukagon.
- Hilft Schokolade bei einer Unterzuckerung?
- Wegen ihres Fettes bleibt sie langsam, dabei ist das Gesuchte die Schnelligkeit. Verzögert sich die Magenentleerung, verzögert sich auch der Anstieg und zieht sich obendrein. In einem Moment, der eine schnelle Rückkehr verlangt, ist das eine unerwünschte Eigenschaft.
- Sind die Zahlen der 15-15-Regel Blutzuckerwerte?
- Nein. Die eine ist die Gramm des Kohlenhydrats, die andere die Warteminuten. Die Regel beschreibt keine Schwelle, sondern eine Reihenfolge und eine Zeit.
- Warum muss man nach der Besserung neu messen?
- Weil das Vergehen der Zeichen nicht als Beweis der Rückkehr im Blut gilt. Außerdem kann Insulin, dessen Wirkung hält, einen neuen Abfall bringen; die Leitlinien raten deshalb, die Messung zu wiederholen und danach etwas zu essen.
Quellen
- American Diabetes Association Professional Practice Committee. 6. Glycemic Goals, Hypoglycemia, and Hyperglycemic Crises: Standards of Care in Diabetes—2026. Diabetes Care. 2026;49(Supplement_1):S132–S149. doi:10.2337/dc26-S006
- Evert AB. Treatment of Mild Hypoglycemia. Diabetes Spectrum. 2014;27(1):58–62. doi:10.2337/diaspect.27.1.58
- Carlson JN, Schunder-Tatzber S, Neilson CJ, Hood N. Dietary sugars versus glucose tablets for first-aid treatment of symptomatic hypoglycaemia in awake patients with diabetes: a systematic review and meta-analysis. Emergency Medicine Journal. 2017;34(2):100–106. doi:10.1136/emermed-2015-205637
- Mathew P, Thoppil D. Hypoglycemia. StatPearls. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2022.