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Portion und Etikett

Was heißt zuckerfrei?

· 2 Min.

Zwei gleiche kleine Gläser nebeneinander auf sattblauem Grund, in beiden klare Flüssigkeit; der Unterschied zwischen ihnen ist nicht zu sehen.

Die Angabe „zuckerfrei“ ist eine beschriebene Etikettenaussage: Das Produkt trägt weniger Zucker als eine feste Schwelle. Sie heißt nicht, dass es kein Kohlenhydrat enthält. Mehl, Stärke und Zuckeralkohole können in der Packung weiter stehen. Die eigentliche Auskunft steht in der Tabelle hinten.

Die Angaben auf den Etiketten sind nicht beliebig. Der internationale Rahmen der Lebensmittelkennzeichnung bindet an Schwellen, welches Wort auf welchem Produkt stehen darf. Das Maß für die Aussage zuckerfrei ist eine Zuckermenge, die ein halbes Gramm pro hundert Gramm Festem oder hundert Millilitern Flüssigem nicht übersteigt. Das Wort Zucker umfasst hier die Einfach- und Zweifachzucker. Die Stärke bleibt außerhalb dieser Beschreibung. Selbst ein ganz aus Mehl gemachter Keks kann diese Angabe tragen.

Ohne Zuckerzusatz sagt etwas ganz anderes: Bei der Herstellung wurde kein Zucker von außen zugesetzt. Der eigene Zucker des Lebensmittels bleibt an seinem Platz. Ein Fruchtjoghurt oder ein mit Fruchtkonzentrat gesüßtes Frühstücksflockenprodukt kann auch ohne jeden zugesetzten Zucker eine deutliche Menge Zucker tragen.

Leicht ist ein vergleichendes Wort. Es verlangt mindestens ein Viertel weniger gegenüber einem Referenzprodukt derselben Art, nicht weniger als das. Was weniger wurde, ist meistens das Fett, nicht der Zucker. Und weniger zu sein zeigt nicht, dass es absolut wenig ist; es zeigt nur, dass es weniger ist als das andere.

EtikettenangabeWorauf sie sich stütztWas sie nicht sagt
ZuckerfreiZucker, der ein halbes Gramm pro hundert Gramm nicht übersteigtDass es kein Kohlenhydrat enthält
Ohne ZuckerzusatzDass bei der Herstellung kein Zucker von außen kamDass der eigene Zucker des Produkts fehlt
LeichtMindestens ein Viertel weniger als das ReferenzproduktWas weniger wurde und die absolute Menge
VollkornDass Vollkorn im Inhalt stehtDen Anteil des Vollkorns am Ganzen
Mit Zuckeralkohol gesüßtDie Verwendung von Polyolen statt ZuckerDass der Beitrag an Energie und Kohlenhydrat null ist

Auch die Vollkornangabe sagt nicht, wie viel des Produkts Vollkorn ist. In einer Verbraucherarbeit mit über tausend Erwachsenen schätzte fast die Hälfte den Vollkornanteil überwiegend aus raffiniertem Getreide gemachter Produkte höher, als er war. Die braune Farbe, das Wort Mehrkorn und das Ährenbild auf der Packung tragen keine Auskunft über den Anteil. Die Zutatenliste reiht sich nach dem Gewicht und ist in dieser Sache ehrlicher. Diese Angabe stützt sich nicht auf ein Verhältnis, sondern nur auf das Vorhandensein.

Die meisten zuckerfreien Bonbons und Kaugummis tragen Zuckeralkohole; die stehen nicht in der Zuckerzeile des Etiketts, sondern in der Zeile des Gesamtkohlenhydrats. Welche Zeile was umfasst, erzählt ein eigener Text. Das Thema hier ist die Vorderseite der Packung. Auch das Regal der Diabetikerprodukte gibt keine Sicherheit: Ein Kuchen dort kann statt Haushaltszucker einen anderen Süßstoff tragen; sein Mehl, sein Fett und seine Portion bleiben an ihrem Platz. Wird die Packung in der Hand gedreht, erzählt die Tabelle hinten mehr als die großen Buchstaben vorn. Das Wort auf der Vorderseite ist ein Marketingsatz; die Tabelle hinten eine gemessene Auskunft.

Quellen

  1. Codex Alimentarius Commission. Guidelines for Use of Nutrition and Health Claims (CAC/GL 23-1997): Table of conditions for nutrient contents. In: Codex Alimentarius, Food Labelling. Rome: FAO/WHO.
  2. Codex Alimentarius Commission. Guidelines on Nutrition Labelling (CXG 2-1985), adopted 1985, revised 2011, amended through 2013; Annex revised 2015. Rome: FAO/WHO.
  3. Wilde P, Pomeranz JL, Lizewski LJ, Zhang FF. Consumer confusion about wholegrain content and healthfulness in product labels: a discrete choice experiment and comprehension assessment. Public Health Nutr. 2020;23(18):3324-3331. doi:10.1017/S1368980020001688
  4. Lenhart A, Chey WD. A systematic review of the effects of polyols on gastrointestinal health and irritable bowel syndrome. Adv Nutr. 2017;8(4):587-596. doi:10.3945/an.117.015560
  5. World Health Organization. Guideline: Sugars Intake for Adults and Children. Geneva: World Health Organization; 2015. ISBN 978-92-4-154902-8.
  6. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 5. Facilitating Positive Health Behaviors and Well-being to Improve Health Outcomes: Standards of Care in Diabetes-2026. Diabetes Care. 2026;49(Suppl 1):S89-S131. doi:10.2337/dc26-S005

Dieser Text dient nur der Information; er ist weder eine Diagnose noch eine Behandlung noch eine Dosierungsempfehlung. Entscheidungen über deine Behandlung triffst du immer gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

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