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Überzuckerung und Notfälle

Was sind Ketone, wann misst man sie?

· 3 Min.

Die Glut eines verlöschenden Lagerfeuers; unter den aschebedeckten Holzstücken sickert ein orange-rotes inneres Licht hervor, keine Flamme.

Ketone sind der Ersatzbrennstoff, den die Leber aus Fetten baut, wenn die Zellen die Glukose nicht genug verwenden können. In kleiner Menge sind sie gewöhnlich; das Problem beginnt mit dem Sammeln. Dieser Text erzählt, was Ketone sind und warum Blut und Urin nicht dasselbe zeigen.

Die Zellen holen ihre Energie meistens aus der Glukose, und um diesen Brennstoff hereinzunehmen, brauchen sie das Insulin. Bleibt die Insulinwirkung zu knapp, sammelt sich die Glukose im Blut, kommt aber nicht in die Zelle hinein. Der Körper wendet sich dann dem zweiten Brennstoff zu. Das ist das Fett. Die Leber beginnt, Fettsäuren zu zerlegen, und dabei entstehen die Verbindungen mit dem Namen Ketone. Für Muskel und Gehirn sind sie ein echter Brennstoff; das Keton für sich gilt also nicht als Störung.

Nach einem lang nüchternen Tag oder einem langen Spaziergang ist eine kleine Menge Keton gewöhnlich. Das Bild beginnt sich an dem Punkt zu ändern, an dem das Tempo der Bildung das Tempo des Verbrauchs übersteigt. Sammeln sich die Ketone, kippt der Säurehaushalt des Blutes, und dieses Kippen gibt nach außen eigene Zeichen. Die wichtigsten: Übelkeit, Bauchschmerz, tiefes und schnelles Atmen, ein obstartiger Geruch im Mund.

Was das Sammeln beschleunigt, ist, dass die Insulinwirkung unter dem Bedarf dieses Tages bleibt. Manchmal fällt diese Wirkung ganz weg. Häufiger ist, dass das Insulin da ist und seine Arbeit nicht tun kann. Die Leitlinien sammeln beides unter einem Titel: Der Mangel ist entweder absolut oder relativ, beide führen zur selben Tür. Beginnt das Sammeln, entwickelt sich das Bild in Stunden, nicht über Tage. Deshalb trägt das Keton eine eigene Auskunft, getrennt vom Zucker selbst.

Auf Ketone schaut man auf zwei Wegen, und die zwei Wege geben nicht dieselbe Auskunft.

Messung aus dem BlutKetonstreifen im Urin
Was er fängtBeta-Hydroxybutyrat, die vorherrschende Art des KetonsÜberwiegend Acetoacetat
Welchen Moment er zeigtDen gegenwärtigen MomentEinige Stunden davor
Die Form des ErgebnissesEin ZahlenwertGrobe Zuordnung über eine Farbkarte
Die bekannte SchwächeSein Streifen ist teurerKann beim Beginn des Bildes niedrig, bei der Besserung hoch aussehen

Der Abstand dazwischen ist kein kleines Detail. Er hat Folgen. Der Urinstreifen überbringt das Geschehen mit Verspätung, denn der Urin trägt, was einige Stunden zuvor gefiltert wurde. Beginnt das Bild sich zu bessern, kann der Streifen noch eine dunkle Farbe geben, und der Grund ist, dass die vom Streifen gefangene Art während der Besserung vorübergehend zunimmt. Die Blutmessung zeigt dagegen den gegenwärtigen Moment, die Leitlinien stellen sie deshalb vor.

Das Ketonthema kommt nicht jeden Tag auf den Tisch und ist auch kein Titel der ständigen Begleitung. In bestimmten Lagen tritt es hervor:

  • Dazwischentretende Krankheitstage: wenn Infektionszeichen wie Fieber, Schüttelfrost, Brennen beim Wasserlassen oder Durchfall den Körper anstrengen
  • Erbrechen oder die aufgenommene Flüssigkeit nicht drinnen halten können
  • Wenn das Insulin auf irgendeine Art fehlt, etwa bei einem verstopften Pumpenset
  • Wenn die Messung länger als erwartet hoch verläuft
  • Wenn eines der oben gezählten Zeichen das Bild begleitet

Wie hoch das Ergebnis ist und was es begleitet, gewinnt zusammen Bedeutung. Wartet der Streifen offen auf einem feuchten Badregal, kann seine Farbe verderben, auch das Haltbarkeitsdatum auf der Dose berührt das Ergebnis. Wie das Thermometer das Fieber misst und nicht seinen Grund nennt, beschreibt auch die Ketonmessung die Lage. Was das Ergebnis bedeutet, bestimmt das Behandlungsteam mit Blick auf die ganze Person.

Es gibt eine Ausnahme. Stehen neben der Messung Erbrechen, Bauchschmerz, tiefer werdendes Atmen oder Schläfrigkeit, bleibt das Bild nicht bis zum nächsten Termin. Welche Zeichen nicht warten, reiht ein eigener Text auf.

Quellen

  1. American Diabetes Association Professional Practice Committee. 6. Glycemic Goals, Hypoglycemia, and Hyperglycemic Crises: Standards of Care in Diabetes—2026. Diabetes Care. 2026;49(Supplement_1):S132–S149. doi:10.2337/dc26-S006
  2. Umpierrez GE, Davis GM, ElSayed NA, et al. Hyperglycemic Crises in Adults With Diabetes: A Consensus Report (ADA, EASD, JBDS, AACE, DTS). Diabetes Care. 2024;47(8):1257–1275.
  3. Lizzo JM, Goyal A, Kaur J. Adult Diabetic Ketoacidosis. In: StatPearls. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2026 Jan-. Updated 30 November 2025. Bookshelf ID: NBK560723.
  4. Rodriguez Alvarez P, San Martin VT, Morey-Vargas OL. Hyperglycemic crises in adults: A look at the 2024 consensus report. Cleve Clin J Med. 2025;92(3):152-158. doi:10.3949/ccjm.92a.24089
  5. National Institute for Health and Care Excellence (NICE). Type 1 diabetes in adults: diagnosis and management. NICE guideline NG17; 2015, last updated 2022.
  6. Türkiye Endokrinoloji ve Metabolizma Derneği (TEMD). Diabetes Mellitus ve Komplikasyonlarının Tanı, Tedavi ve İzlem Kılavuzu-2026. 17. Baskı. TEMD; 2026. ISBN 978-625-99759-8-6

Dieser Text dient nur der Information; er ist weder eine Diagnose noch eine Behandlung noch eine Dosierungsempfehlung. Entscheidungen über deine Behandlung triffst du immer gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

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