Verkürzt Diabetes das Leben?
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Die Antwort auf die Frage nach Diabetes und Lebenszeit ist keine einzelne Zahl, sondern eine Beziehung. Sie hängt daran, wann die Diagnose fiel und welche Maße im Zielbereich gehalten werden. Eine früh gefallene Diagnose lässt in den breiten Aufzeichnungen einen größeren Abstand.
Die Frage erwartet eine Zahl. Die Antwort, die die Aufzeichnungen geben, ist weniger eine Zahl als ein Gefälle. Dieselbe Krankheit hinterlässt in der Beobachtung eine andere Spur, je nachdem, in welchem Alter die Diagnose fiel. Legt man die Aufzeichnungen derer mit Diagnose um vierzig neben die derer um sechzig, fällt der Abstand nicht klein aus. Das Gewicht der Antwort liegt im Woran. Nicht in der Zahl.
Die Arbeit, die diese Beziehung am breitesten maß, brachte an die hundert unabhängige Beobachtungskohorten und ein großes Bevölkerungsregister in einer einzigen Auswertung zusammen. In diesen Aufzeichnungen wuchs der Abstand der Sterberate zur Vergleichsgruppe stetig, je weiter das Diagnosealter zurückging. In Lebenserwartung übersetzt entsprach jedes Jahrzehnt früherer Diagnose grob einem Abstand von drei bis vier Jahren. Die Zeilen unten vergleichen den Durchschnitt zweier Gruppen; keine ist die Rechnung einer einzelnen Person.
| Das Alter bei der Diagnose | Der mittlere Abstand zur Vergleichsgruppe |
|---|---|
| Anfang der Dreißiger | Bis zu vierzehn Jahre |
| Anfang der Vierziger | Um zehn Jahre |
| Anfang der Fünfziger | Um sechs Jahre |
| Siebzig und danach | Keine Jahresrechnung; der Abstand der Sterberate ist hier am engsten |
Die Zahlen der Tabelle wurden aus Bevölkerungssterberaten abgeleitet und über die Aufzeichnungen von Menschen gerechnet, die fünfzig geworden waren; die Jahre vor einer einzelnen Person zeigen sie nicht. Auch die Jahre, in denen die Aufzeichnungen gesammelt wurden, verteilen sich weit; zwischen den ältesten Beobachtungen und der neuesten liegen Jahrzehnte.
Die Frage der Zeit läuft nicht nur im Körper. Sie läuft auch im Zugang. Die Weltgesundheitsorganisation berichtet, dass mehr als die Hälfte der Menschen mit Diabetes im Jahr der Zählung kein einziges Medikament für diese Diagnose verwendete. Das ist ein zweites Maß neben den Beobachtungsergebnissen: der Zugang zur Behandlung selbst.
Es gibt eine beobachtende Verfolgung, die die zweite Hälfte der Frage von einer anderen Stelle aus misst. Menschen mit Typ-2-Diabetes wurden neben eine nach Alter und Geschlecht gepaarte Vergleichsgruppe gelegt, und fünf Maße wurden verfolgt: der HbA1c, die Cholesterinzeile der Blutfette, das Albumin im Urin, das Rauchen und der Blutdruck. Alle haben ihre Entsprechung in der Untersuchung und auf dem Befund; der Text „Worauf wird außer dem Zucker geschaut?“ sieht jedes dieser Maße einzeln an. In der Gruppe, in der alle fünf im Zielbereich gemessen wurden, wurde das zusätzliche Sterberisiko fast unsichtbar; das ist ein Vergleichsergebnis, die Aufzeichnungen messen nicht dieselbe Person in zwei Lagen.
Das Detail, das das Bild lässt, wie es ist, steht hier. Der Abstand auf der Seite des Herzinfarkts fiel nach unten aus, beim Schlaganfall blieb keine bedeutsame Trennung; die Krankenhausaufnahme wegen Herzschwäche stand dagegen selbst bei fünf Maßen im Ziel über der Vergleichsgruppe. Die Herzschwäche ist die Lage, in der das Herz das Blut nicht mit genug Kraft durch den Körper schiebt. Sie zeigt sich als Atemnot. Dazu kommt die Schwellung, die sich in den Füßen sammelt. Das zusätzliche Risiko schließt sich also nicht ganz auf einmal; der Teil, der sich schließt, ist ein gemessenes Ergebnis. Was dieselben Ziele auf der Seite der Organe bedeuten, ist die nächste Frage. Der Text „Lassen sich Folgeschäden verhindern?“ ergänzt dieses Bild.
Der Abstand zwischen zwei Messungen ist die Antwort selbst. Mehr gibt es nicht. Der Durchschnitt drückt die Summe einer Bevölkerung in eine einzige Zahl und beschreibt niemanden in dieser Zahl. Das Diagnosealter ist eine Auskunft, die sich nicht zurückholen lässt. Wo die fünf Maße stehen, ist dagegen etwas, das die ganze Beobachtung hindurch weiter gemessen wird, und diese Aufzeichnungen sammeln sich noch immer.
Quellen
- Emerging Risk Factors Collaboration. Life expectancy associated with different ages at diagnosis of type 2 diabetes in high-income countries: 23 million person-years of observation. Lancet Diabetes Endocrinol. 2023;11(10):731-742. doi:10.1016/S2213-8587(23)00223-1
- Rawshani A, Rawshani A, Franzén S, Sattar N, Eliasson B, Svensson AM, Zethelius B, Miftaraj M, McGuire DK, Rosengren A, Gudbjörnsdottir S. Risk Factors, Mortality, and Cardiovascular Outcomes in Patients with Type 2 Diabetes. N Engl J Med. 2018;379(7):633-644. doi:10.1056/NEJMoa1800256
- World Health Organization. Diabetes (fact sheet). Geneva: WHO; 14 November 2024.