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Portion und Etikett

Zählt, was ich esse, oder wie viel?

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Zwei gleiche Schalen nebeneinander auf weißem Marmor; in beiden liegt dasselbe Essen, aber eine ist deutlich voller als die andere.

Die beiden sind keine Gegner: die Menge bestimmt die Höhe des Anstiegs, die Art sein Tempo und seine Dauer. Zwischen einer und drei Scheiben Brot liegt mehr als zwischen Weißmehl und Vollkorn. Aber drei Scheiben Vollkorn ersetzen keine Scheibe Weißbrot. Was du isst, zählt mit seinem Anteil auf dem Teller.

Der wichtigste Nährstoff für den Blutzucker nach der Mahlzeit ist bei Diabetes das Kohlenhydrat; der Ernährungskonsensbericht der American Diabetes Association schreibt das ausdrücklich. Die Verdauung zerlegt Stärke und Zucker. Die frei werdende Glukose geht aus dem Darm ins Blut über. Je mehr Kohlenhydrat verdaut wird, desto mehr Glukose kommt ins Blut. Die Menge wirkt hier wie ein Maßstabsregler.

Die Art dagegen ändert die Form der Kurve. Ballaststoff und Fett verlangsamen den Durchgang durch den Magen; fein gemahlenes Mehl beschleunigt die Verdauung. Wolever und Bolognesi maßen 1996 bei acht Menschen ohne Diabetes gemischte Mahlzeiten. Die Menge des Kohlenhydrats allein ergab keine bedeutsame Beziehung zur Antwort; Menge und glykämischer Index zusammen erklärten dagegen etwa 90 Prozent der Schwankung. Selbst im gesunden Körper reicht eine Größe nicht. Die Frage lautet also nicht dies oder das; die beiden arbeiten als Produkt.

Was sich ändertWas auf der Kurve zu sehen istDie Entsprechung in der Küche
Die MengeDie Höhe des AnstiegsNoch eine Kelle auf denselben Teller
Die ArtTempo und Dauer des AnstiegsGanzes Korn statt Mehl
Das Lebensmittel danebenDie Verschiebung des GipfelsDas Ei neben dem Brot
Die Größe von Teller und PackungDie unbemerkt wachsende PortionDie Familienpackung aus dem Markt

Warum sagt dir aber niemand, wie viele Scheiben du essen kannst? Die Antwort des Konsensberichts ist klar: Es gibt keinen Beleg, der eine einzige für alle gültige Kohlenhydratmenge stützt. Der Bericht trennt stattdessen nach der Behandlung. Bei Menschen mit einer festen täglichen Insulindosis stellt er heraus, die Mahlzeiten in Uhrzeit und Menge gleichmäßig zu halten; bei flexibler Dosis das Zählen der Kohlenhydrate.

Die Menge hat eine Falle: Sie gehört nicht dem Lebensmittel, sondern dem Teller. Eine Cochrane-Übersicht sichtete zweiundsiebzig Versuche; Menschen, denen eine große Portion vorgesetzt wird, essen mehr. Die Wirkung reicht von klein bis mittel, aber die Richtung bleibt dieselbe: große Packung, breiter Teller, die Sparpackung im Regal. Die Schüssel, die du aus dem Kühlschrank holst, bestimmt die Menge dieses Abends, bevor du den Löffel überhaupt in die Hand nimmst.

Wie viele Scheiben Brot darf ich am Tag essen?
Diese Zahl kommt nicht aus dem Lebensmittel selbst. Dein Medikament, das Kohlenhydrat im Rest des Tages und deine Bewegung stehen in derselben Gleichung. Der Konsensbericht beschreibt keine einzige für alle gültige Menge.
Ist weniger essen immer richtiger?
Die Menge zu kürzen macht den Anstieg kleiner, aber den Teller zu leeren nimmt auch den Ballaststoff mit. Die Leitlinie der Weltgesundheitsorganisation von 2023 stellt für die allgemeine Bevölkerung die Beschaffenheit des Kohlenhydrats heraus: Vollkorn, Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Ballaststoff.
Soll man Obst in Stücken messen?
Das Stück verbirgt die Größe. Zwei Kirschen fallen sogar am selben Baum verschieden schwer aus. Wenn du das Maß über Gewicht oder Volumen hältst, wird deine eigene Aufzeichnung mit sich selbst vergleichbar.
Muss man die Portion ständig wiegen?
Die Waage ist ein Gerät, das das Auge eine Zeit lang eicht. Ein paar Wochen dieselbe Schüssel zu wiegen macht es danach möglich, mit dem Blick zu schätzen. Das Ziel ist nicht, lebenslang zu wiegen, sondern den Maßstab einmal zu lernen.

Quellen

  1. Evert AB, Dennison M, Gardner CD, Garvey WT, Lau KHK, MacLeod J, Mitri J, Pereira RF, Rawlings K, Robinson S, Saslow L, Uelmen S, Urbanski PB, Yancy WS Jr. Nutrition Therapy for Adults With Diabetes or Prediabetes: A Consensus Report. Diabetes Care. 2019;42(5):731-754.
  2. Wolever TMS, Bolognesi C. Prediction of glucose and insulin responses of normal subjects after consuming mixed meals varying in energy, protein, fat, carbohydrate and glycemic index. The Journal of Nutrition. 1996;126(11):2807-2812.
  3. Hollands GJ, Shemilt I, Marteau TM, Jebb SA, Lewis HB, Wei Y, Higgins JPT, Ogilvie D. Portion, package or tableware size for changing selection and consumption of food, alcohol and tobacco. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2015;(9):CD011045.
  4. World Health Organization. Carbohydrate intake for adults and children: WHO guideline. Geneva: World Health Organization; 2023. ISBN 978-92-4-007359-3.

Weiter: In wie viele Gruppen teilen sich Diabetesmedikamente?

Dieser Text dient nur der Information; er ist weder eine Diagnose noch eine Behandlung noch eine Dosierungsempfehlung. Entscheidungen über deine Behandlung triffst du immer gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

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